Kurier, 13. Januar 2006:
Der Gasthof Sternen fand Aufnahme im GaultMillau
Urbaner Chic mitten im Dorf
Erst seit Jahresbeginn 2005 bietet das Wirte-Ehepaar Matthias und Bettina Brunner-Schill in der umgebauten Badstube exzellente Gastronomie an. Das hat sich herumgesprochen: Ihr Gasthof Sternen in Wangen wird im aktuellen GaultMillau-Guide denn auch bereits mit 14 Punkten aufgeführt.
Das Wirte-Ehepaar Matthias und Bettina Brunner-Schill hat es innert wenigen Monaten ausgezeichnet verstanden, urchige Tradition und urbane Eleganz unter einem Dach zu vereinen. Im Wangener Gasthof Sternen werden seit anfangs 2005 in der umgebauten Badstube tolle Gerichte angeboten, während in der Gaststube und im Tanzsaal eher der Alltag zu Hause is(s)t. Dies scheint nicht verborgen geblieben zu sein. In der 2006-Ausgabe des bekannten Reiseführers für Gourmets – dem GaultMillau-Guide Schweiz – wird der Sternen bereits aufgeführt und mit 14 Punkten bewertet. „Die Gault-Millau-Redaktoren kennen mich noch von meiner Zeit in Luzern als Küchenchef des bekannten Hotels Astoria. Nach unserem guten Einstieg hier in Wangen ist die schnelle Aufnahme natürlich schön“, sagt Matthias Brunner nicht ohne Stolz.
Gaststube weiterhin traditionell
Die dreimonatige „sternenlose“ Wartezeit am Ende des Jahres 2004 hat sich in Wangen gelohnt. Seit rund einem Jahr empfangen das neue Besitzer- und Wirteehepaar Matthias und Bettina Brunner-Schill ihre Gäste in einem äusserlich und innerlich positiv veränderten Gasthof. Auf den ersten Blick fast unverändert präsentiert sich im vorderen Teil die traditionelle Gaststube. Hier herrscht weiterhin Dorfbeiz-Charakter – bis man die Speisekarte studiert hat. Klar, das Cordon Bleu mit Pommes Frites darf hier nicht fehlen, wer es jedoch ein wenig ausgefallener mag, wählt vielleicht für den kleineren Hunger ein saftiges Club-, Zopf- oder Paillassesandwich. Zudem stehen jeweils drei Tagesmenüs zu fairen Preisen zur Auswahl. Im Sommer geniessen die Leute feine Glacéspeisen draussen – fast mitten auf dem rauchfreien Dorfplatz.
Novum: Gediegene Badstube
Während am Tanzsaal im ersten Stock unter der neuen Führung nur geringfügige Anpassungen erfolgt sind, ist die umgebaute Badstube im hinteren Restaurantteil nicht mehr wieder zu erkennen. Schwer vorzustellen, dass die Wangener Dorfbevölkerung hier vor 400 Jahren in Holzbottichen gebadet haben soll …
„Wir hatten die Idee mit der riesigen Fensterscheibe, sonst hat uns die Innenarchitektin sehr gut beraten“, meint Brunner in seiner sympathisch-bescheidenen Art zum Prunkstück. Die dicken Mauern des alten Gewölbes sind hell angestrichen worden; Ausstattung, Beleuchtung, Blumen und Dekoration verleihen der Badstube einen äusserst gediegenen Gesamteindruck.
Drei Jahre bei Frédy Girardet
Damit nicht nur die Ledersessel fein sind, dafür ist der Chef in der Küche persönlich zuständig. Sein beruflicher Werdegang ist eindrücklich und hilft ihm bei diesem Unterfangen. „Du musst unbedingt für Gourmets kochen, riet mir mein Lehrmeister – ein guter Menschenkenner – nach der Kochlehre“, erinnert sich Matthias Brunner und so habe er anfangs der Neunziger Jahre drei lehrreiche Jahre bei Starkoch Frédy Girardet in Crissier verbracht. Dort hätten sich zwanzig Köche um fünfzig Gäste und das kleinste Detail gekümmert.
Im Engadin kennen gelernt
Nach einer Ausbildung zum Gastronomiekoch und sechs Monaten auf einem 5-Sterne-Kreuzfahrtschiff wirkte Brunner im Engadin bei Daniel Bumann (18 Punkte im GaultMillau sowie zwei Michelin-Sterne), einer weiteren Koryphäe. Hier lernte er auch seine Frau Bettina kennen, die selber aus einer Wirtefamilie kommt und im Sternen nicht nur in aufmerksamer Manier bedient, sondern auch für Buchhaltung, Korrespondenz und Bankettverkauf zuständig ist. Der jüngste Sohn ist Ende Februar 2005 auf die Welt gekommen. Eine Woche nach der Geburt im Spital Uster stand die Wirtin bereits wieder im Betrieb …
Via Thun (Hotelfachschule) und Luzern, wo Matthias Brunner fünf Jahre lang als Küchenchef im renommierten Hotel Astoria tätig war, ist er nun mit seiner Gattin und den drei Kindern – zum Glück für alle Feinschmecker – in Wangen angekommen.
Regionale Erzeugnisse auf dem Teller
Diese reiche Erfahrung lässt der Küchenchef mit viel Hingabe und Fingerspitzengefühl in seine raffinierten kulinarischen Schöpfungen fliessen. Verarbeiter werden nach Möglichkeit regionale Erzeugnisse: Lammkarrée und Kalbsteak stammen aus dem Zürcher Oberland und die Rindsfilet-Medaillons aus Gutenswil. Obwohl in der gepflegten Badstube zweifelsohne hohe Ansprüche erfüllt werden, stimmt das Preis-Leistungs-Niveau. „Mit 14 Punkten herrscht bei uns auch keine Schwellenangst“, präzisiert Brunner.
Über Mittag ist der Badstube-Lunch bei lokalen Business-Leuten beliebt. Passende Spitzenweine sind auch per Deziliter erhältlich – eine sinnvolle Sache, denn die Banker reisen schliesslich nicht mit dem 796er Bus an, obwohl er fast vor dem Gasthof hält …
James D. Walder

