Gasthof Sternen

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NZZ Ticket N°17, 2005

«Sternen» in Wangen: Aus einer ehemaligen Badstube ist ein gediegenes und gepflegtes Restaurant geworden.

Gut Wellnessen

Im Wangener «Sternen» verwöhnen seit Jahresbeginn Matthias und Bettina Brunner die Gäste der eleganten «Badstube» und der alltäglicheren «Gaststube» mit einer exzellenten Küche.

«Gasthof Sternen» zu heissen, bedeutet für ein Restaurant ein ähnliches Schicksal, wie wenn unsereiner zum Beispiel Peter oder Hungerbühler heisst: Die Namen klingen gewöhnlich, altmodisch und urschweizerisch. Doch wie ein Peter Zumthor oder ein Robert Hunger-Bühler uns eines Besseren belehren, so ist auch der «Sternen» in Wangen bei Dübendorf eine jener schillernden Ausnahmen, die den Fehlschluss entlarven. Zwar hat der Wangener «Sternen» durchaus das Zeug zu einer Dorfbeiz: Das stattliche, nach einem Brand um 1900 wieder aufgebaute Haus steht inmitten des intakten Dorfkerns mit gepflegt renovierten Riegelhäusern und gegenüber eines Volg-Ladens. Ferner lädt die gemütliche Atmosphäre in der mit Holz ausgekleideten Gaststube dazu ein, auch nur auf ein geselliges Feierabendbier hierher zu kommen. Aber schon die Speisekarte der Gaststube lässt erkenne, dass das seit Jahresbeginn wirkende Gastgeberpaar Matthias und Bettina Brunner-Schill diesem Haus eine besondere Handschrift verpasst. Statt eines blossen «Faustbrotes» steht hier ein «Zopf- oder Paillassesandwich nach Wahl mit Schinken, Käse oder Salami» zu moderaten Fr. 7.-- auf der Karte; oder als vegetarisches Gericht gibt es etwa einen «Bunten Gemüseteller mit Bratkartoffeln und Kräuterquark» (Fr. 19.–). Wenn schliesslich unter den Desserts auch Eiscafé und Bananensplit aufgeführt sind, darf man bestimmt eine besonders fein schmeckende und ansprechen präsentierte Variante dieser Klassiker erwarte. Ohne den Test gemacht zu haben, wagen wir diesen Rückschluss auf Grund des hervorragenden Mahls, das wir im hinteren Restaurantbereich, in der gediegeneren Badstube, genossen haben.

Die Mauern dieses über 400-jährigen Gewölbes hatten dem damaligen Brand als einzige standgehalten. Bis ins 17. Jahrhundert soll die Dorfbevölkerung hier in Holzzubern gebadet und sich medizinisch beraten lassen haben, erzählt Matthias Brunner. Unter der neuen Führung bekam dieser einstige Wellness-Raum eine neuen Ausstattung: Die mit feinem Leder bezogenen Sessel und Sitzbänke sind wie der Anstrich sandfarben. Eine raffinierte indirekte Beleuchtung schafft eine angenehm warme Atmosphäre. Vom Buttergeschirr bis zur aufmerksamen Bedienung durch Bettina Brunner ist hier alles sehr gepflegt, wirkt aber in keiner Weise steif. Die überflüssige leise Soft-Pop-Berieselung à la Barbra Steifsand ist aus unserer Sicht der einzige Wermutstropfen dieses Abends.

Als Einstieg überraschte uns ein herrliches Amuse bouche mit etwas Ente, Spargel und Bärlauch. Ebenfalls kunstvoll präsentiert sind die Vorspeisen: Der Nüsslisalat mit Kresse und Radieschenstreifen (9.50), dessen Sauce gemäss meiner Begleitung etwas rassiger sein dürfte, ist zu einem luftigen Kegel aufgetürmt. Meine gebratenen Black-Tiger-Riesencrevetten an Zitrusfrüchteöl auf fein geschnittenem Chicoréesalat schmecken traumhaft zart und aromatisch (Fr. 19.--). Von den sechs Hauptgängen erweist sich mein Zürcher Oberländer Lammkarree an Curryjus mit Basmaitreis und Wirsing (39.--) als Volltreffer. Dass das Lamm beim Supplément genau gleich saignant aufgetragen wir, ist für Matthias Brunner, der nach seinen Lehr- und Wangde4rjahren zuletzt den Küchenbereich des Hotels Astoria in Luzern verantwortete, natürlich eine Selbstverständlichkeit. Das Zanderfilet meiner Begleitung ist wunderbar saftig, begleitet von einer kräftigen Ratatouille3 und Kartoffel-Mousseline, so dass der empfohlene Château Corbin 1996 (9.90) pro d.) ausgezeichnet passt. Noch haben wir Platz für etwas Süsses: meine perfekte Schokoladenmousse bräuchte das begleitende Blutorangen-Carpaccio nicht. An der gebrannten Vanillecrème (9.50), einer Geschmacksbombe an natürlichem Aroma, gefällt besonders die hauchfeine, knusprige Caramelkruste. Wir freuen uns, bald die neuen Frühlingsmenus kosten zu kommen.

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