Tages-Anzeiger, 18. November 2011:
Matthias Brunner verwöhnt in der Badstube des Gasthofs Sternen in Wangen anspruchsvolle Gaumen. Neben 15 Gault Millau Punkten erhält er nun einen Michelin-Stern.
Ein Stern für den Sternen
Wangen – Matthias Brunner ist nicht nur hoch dekorierter Spitzenkoch, er ist auch aufmerksamer Gastgeber: Nähern sich die Gäste der Badstube im Gasthof Sternen nach dem Mahl dem Ausgang, ist er sofort zur Stelle. Hilft der Dame in den Mantel, schüttelt dem Herrn die Hand und nimmt die Lobeshymnen auf sein Essen bescheiden entgegen.
Seit knapp sieben Jahren führt Brunner das Restaurant im Dorfkern von Wangen – mit grossem Erfolg. Soeben konnte er seinen jüngsten Triumph verbuchen. Im Guide Michelin 2012 wird die Sternen-Badstube neu mit einem Stern geführt – eine Ehre, die in der ganzen Schweiz nur 76 Restaurants zuteil wird. 18 weitere Häuser besitzen zwei Sterne und unangefochten an der Spitze stehen die Restaurants der beiden Starköche Philippe Rochat in Crissier und Andreas Caminada in Schauenstein mit gar drei Sternen.
Beobachter im Restaurant
Ganz überraschend kommt die Auszeichnung für Matthias Brunner nicht. «Man merkt natürlich, dass man unter Beobachtung steht», erklärt er. Zwar kämen die Testesser jeweils unangemeldet. Nach dem Essen würde man aber meist doch einige Worte wechseln. «Dass es bereits dieses Jahr für einen Stern gereicht hat, damit hätte ich aber nicht gerechnet», so der Gourmetkoch. Umso erfreuter zeigt er sich über die Ehre. «Es ist eine schöne Bestätigung unserer Arbeit.» Gleichzeitig würden aber auch die Erwartungen der Gäste steigen, meint Brunner.
Dass er diesen nicht gerecht werden könnte, fürchtet er allerdings nicht. Schliesslich stellt der mit 15 Gault Millau Punkten ausgezeichnete Koch selbst sehr hohe Ansprüche an sich und seine Küche. Im ausgebauten Gewölbe der Badstube aus dem 16. Jahrhundert bietet er qualitativ hochwertige, mediterran angehauchte Gerichte. «Wir legen grossen Wert auf saisonale Produkte, die nach Möglichkeit direkt aus dem Dorf kommen.»
Matthias Brunner war bereits vor der Übernahme des Sternen kein unbeschriebenes Blatt. Als prägend beschreibt er seine dreijährige Tätigkeit bei Spitzenkoch Frédy Girardet in Crissier sowie die Zeit in Daniel Bumanns Gourmet-Restaurant in La Punt. Dort lernte er auch seine heutige Frau Bettina Brunner-Schill kennen, die aus einer Gastronomiefamilie aus dem Schwarzwald stammt. «In Wangen sind wir sesshaft geworden», meint Brunner mit Blick in die Zukunft. «Unsere drei Kinder gehen hier in die Schule, und hier gefällt es uns.» Ausserdem hätten sie es geschafft, im Sternen eine Dorfbeiz und ein Gourmetrestaurant – zwar räumlich getrennt, aber doch unter dem gleichen Dach – zu vereinen: «Ein Spagat, der die tägliche Arbeit sehr spannend macht.»
Von Stephan Kälin

